Aufklärung

2 Bedeutungen:
1. historische Epoche im 18.Jahrhundert
2. "permanente Aufklärung", Geisteshaltung ohne historische Begrenzung

Der Begriff der "permanenten Aufklärung" wurde in der 1968er Bewegung (Horkheimer) geschaffen. Der Begriff geht davon aus, dass wir immer gewisse relevante Fragen tabuisieren; die Aufgabe eines aufgeklärten Menschen ist es, diese Tabuisierungen bewusst zu machen und möglichst zu durchbrechen.

Die Epoche Aufklärung wird so genannt, weil die genannte Geisteshaltung sich in vielen Gebieten offenbarte und als epochenbestimmend angesehen wird. Immanuel Kant: Aufklärung ist die Emanzipation des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Obwohl sich der Geist in den Naturwissenschaften, der Politik, der Philosophie und vielen anderen Bereichen zeigt, ist sie in ihrer Grundtendenz doch genauer zu erfassen als der allgemeinere Begriff der "permanenten Aufklärung". Einige wichtige Grundideen der Epoche seien hier zusammengefasst:

Vernunft ist die einzig anerkannte Erkenntnisgrundlage; sie stützt sich im wesentlichen auf die Fakten ab, die mit den fünf Sinnen wahrgenommen werden können.(Empirismus, John Locke) Vernunftreligion (Deismus): Der Schöpfer Gott stellte die Welt nach "vernünftigen" Gesetzen her, d.h. die Schöpfung erschliesst sich der menschlichen Vernunft.

Naturreligion, Naturphilosophie. Der Begriff der Natur stützt sich auf die Vernunft ab und ist ein Gegenbegriff zu künstlich, höfisch. Toleranz, v.a. im religiösen Bereich (Lessing), wendet sich gegen die Vorherrschaft von Ideologien, wird unterstützt durch die Erfahrung v.a. in den Naturwissenschaften, dass Erkenntnisse oft revidiert werden müssen durch neue Beobachtungen. Die neue Geisteshaltung hat Entsprechungen in fast allen Wissensgebieten und in der Kultur.

Auf einige Zusammenhänge (bei weitem nicht vollständig!) soll hier hingewiesen werden:

In der Erziehung (Jean Jacques Rousseau) soll vermehrt auf die entwicklungsbedingten Fähigkeiten des Kindes geachtet werden. Das setzt eine Erforschung der Kindheit voraus. Pestalozzi: Nicht Kenntnisse sollen vermittelt werden, sondern die Fähigkeit, Kenntnisse zu erwerben. Dazu ist die Liebe für die Kinder eine unabdingbare Voraussetzung, der Welt offen begegnen zu können.

In der Politik entstehen demokratische Staatstheorien (John Locke, Montesquieu) Gewaltenteilung -> Riegel gegen die natürliche Tendenz der Machthaber, ihre Macht zu vergrössern und zu missbrauchen; Rousseau: contrat social -> Demokratie als natürliche Staatsform); die neuen Ideen werden aber von absolutistischen Despoten auch verwendet, um ihre Macht effizienter auszuüben und auszubauen (Bischof Bossuet in Paris; schon während der Renaissancezeit: der Florentiner Macchiavelli ).

Der Zentralismus, Militarismus und Absolutismus sind ebenso typische Erscheinungsformen der Aufklärung (-> "rechte Aufklärung"), wie die dazu im Widerspruch stehenden demokratischen Ideen. Die Wirtschaft (Merkantilismus, Colbert) wird auf wissenschaftlichere Basis gestellt: Wie kann man Steuern, Handel, Produktion etc. steuern, dass für den Staat resp. für den Despoten mehr herausschaut -> viele teure Hegemonie- und Kolonialkriege müssen finanziert werden.

Zudem (Technik:): Ausbau der Wasserwege im Landesinnern (canal du midi in F), der Flotten für die Macht zur See (Kolonien). Lochkartenwebstuhl (Jacquard), Dampfmaschine (James Watt 1769)

Die Wissenschaft, insbesondere die Naturwissenschaften machen in vielen Gebieten entscheidende Fortschritte: Medizin: u.a. Blutkreislauf (Harvey), Pockenimpfung; Chemie: Periodensystem, Entdeckung wichtiger Elemente (Sauerstoff...); Physik: Isaac Newton und seine Gesetze, Elektrizitätslehre (Volta, Galvani, Coulomb); Mathematik: Euler, Bernoulli; Frankreich: Encyclopédie (Voltaire, Diderot). (Text: Christian Huck)