Verhältnis der Westeuropäer zu den Arabern resp. zum Islam
 

Im Spätmittelalter(vor der Renaissance) bewunderten die europäischen Länder die arabische Kultur; die Informationen über Wissenschaft etc. kamen meist durch regen Kontakt zwischen Arabern (Muslims) und Europäern zustande.

Die Renaissance führte zu einer direkten Auseinandersetzung einiger Gebildeter mit den Ideen der Antike. Die Reconquista schuf einen Graben zwischen Europa und der arabischen Kultur. Die Reformation und die folgenden Glaubenskriege absobierten die europäischen Kräfte und legten das Interesse an der islamischen Welt lahm.

Im 19.Jh bewunderten viele Muslims die Errungenschaften des Westens, z.B. das Ideal der Selbstbestimmung, der Freiheit, den technischen und wissenschaftlichen Fortschritt.

Mit dem Imperialismus wuchs die Enttäuschung der islamischen Bevölkerung, weil die  Ideale von GB / USA offensichtlich nur für diese selbst galten, Die Unterdrückung der islamischen Selbstbestimmung, die ungleichen Ellen der USA im Nahostkonflikt etc. liessen Frustration aufkommen. Zudem sind für die meisten die Verheissungen der Freiheit, des Wohlstands etc. ausgeblieben.

Eine Folge war die Bewegung der islamistischen Fundamentalisten: "Rück"besinnung auf Islam. Werte. Die islamistische Bewegung ist nicht unbedingt islamisch (so wie Kreuzzüge nicht unbedingt christlich sind), es handelt sich um eine opportunistische Extreminterpretation islamischer Aspekte. In vielen arabischen Ländern kleidet sich die Ablehnung des Westens in islamistische Gewänder, z.B.  in Afghanistan (Taliban) und Iran sind Fundis an der Macht, in vielen  anderen Ländern (z.B. Ägypten, Algerien) gibt es eine sehr starke islamische Opposition.

Die islamische Welt ist jetzt aufgeteilt einerseits in westlich orientierte Länder. Die Führungsschicht profitiert vom Erdöl (Saudiarabien etc.) oder vom Tourismus (Ägypten, Tunesien etc.). In vielen Ländern herrscht bittere Armut und Frustration. Andererseits herrscht in einigen islamischen Ländern eine  Schicht, die dem Westen gegenüber sehr skeptisch eingestellt ist (Iran, Afghanistan, Irak, Syrien etc.), davon gelten einige (z.B. die ersten zwei) als fundamentalistisch, andere (die letzten zwei) werden von Dynastien regiert, die früher noch vom Ostblock unterstützt wurden. Der Westen half traditionell allen Kräften, die gegen die sozialistisch orientierten Regierungen kämpften - und half so gewollt oder ungewollt (z.B. in Algerien Afghanistan und Iran) fundamentalistischen Bewegungen, was sie später dann bereuen mussten. Das Ziel der Weltmacht USA scheint jetzt zu sein, die islamische Welt in kleine, schwache Staaten umzuformen, die kontrollierbar sind, und um jeden Preis eine von vielen Muslims gewünschte politische Einigung der muslimischen Welt zu verhindern. Die Skepsis der muslimischen Bevölkerung gegen den Westen wird durch die meist widersprüchliche Politik (z.B. in Palästina) aber nur gefördert, prowestliche muslimische Regierungen geraten im eigenen Land unter Druck.

Für die Zukunft sind zwei entgegengesetzte Tendenzen denkbar:
-- lineare Variante: Der Konflikt zwischen dem Westen und dem Islam spitzt sich zu, der Kampf um Erdöl führt zu weiteren Kriegen, Terrorismus etc.. Islamische Länder werden Zentrum einer Gegenreaktion gegen die westliche Weltherrschaft.

-- dialektische Variante: Die schlechten Erfahrungen mit dem Islamismus wird die Fanatiker wieder in die Arme der westl. Grossmächte zurücktreiben. (Die Frage bleibt allerdings, ob die vom Islamismus Enttäuschten wieder prowestlich werden oder einen dritten Weg finden.)     
Christian Huck