Kuba: Unabhängigkeit, Revolution, Invasion, Krise
Marcel Nutz

1898 intervenierten die USA auf Seiten der kubanischen Revolutionäre gegen die spanische Kolonialmacht. Mit dem folgenden Pariser Frieden entliess Spanien Kuba in die Unabhängigkeit. Bis 1902 wurde die Insel von einer amerikanischen Militärregierung regiert, dann erhielt Kuba den Status einer Republik. Die Insel geriet wirtschaftlich völlig unter die Kontrolle der USA, die zum Hauptabnehmer für kubanischen Zucker und Tabak wurden.
Nach Instabilität in Politik und Wirtschaft kam Kuba in eine demokratische Phase. Eine neuerliche Krise nach dem 2. Weltkrieg, vor allem bedingt durch gefallene Zuckerpreise, begünstigte 1952 Batistas Militärputsch. Nachdem er einen Aufstand niedergeschlagen hatte, der von einem jungen Anwalt namens Fidel Castro am 26. Juli 1953 angeführt wurde, schien sich das Regime zu behaupten. Als sich die politische Lage beruhigt hatte, veranstaltete die Regierung 1954 Wahlen, Batista wurde ohne echten Gegenkandidaten gewählt. Nach seinem Amtsantritt ließ er die politischen Gefangenen frei. Castro ging ins Exil, zunächst in die USA und später nach Mexiko.

1956 kehrte Castro mit rund 80 Gefolgsleuten, die er auf einer Farm trainiert hatte (darunter Che Guevara), nach Kuba zurück. Seine linke "Bewegung des 26. Juli" (in Gedenken an den Aufstand von 1953) führte aus den Bergen einen Guerillakrieg gegen das Regime. In den folgenden Jahren gewannen Castros Guerillatruppen beträchtlichen Zuspruch in der Bevölkerung. 1958 rief Castro erfolgreich zu einem Generalstreik und zu Demonstrationen auf. Daraufhin trat Batista am 1. Januar 1959 zurück und floh in die USA. Es wurde eine Übergangsregierung gebildet, und Castro, der das Amt ursprünglich abgelehnt hatte, wurde Ministerpräsident. Castro leitete sofort die Verstaatlichung von Landwirtschaft und Industrie ein. Betroffen davon war insbesondere US-amerikanischer Privatbesitz. Dies, ebenso wie der ideologische Gegensatz zum Kapitalismus, führten 1961 zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen von Seiten der USA und zu einem scharfen Handelsembargo, welches bis heute andauert.

Am 17. April 1961 landeten konterrevolutionäre Exilkubaner, die von den USA (dem CIA) unterstützt und ausgebildet worden waren, im Süden Kubas. Die Invasion in der Schweinebucht scheiterte ("Schweinebucht-Debakel"), 90 Eindringlinge wurden getötet und rund 1200 gefangen genommen. Die Gefangenen wurden mit Hilfe der US-Regierung über private Organisationen für rund 50 Mio US-Dollar in Form von Lebensmitteln und Medizin freigekauft.

Das verhängte Handelsembargo beschleunigte die wirtschaftliche und militärische Annäherung Kubas an die Sowjetunion. 1962 stationierte die UdSSR Mittelstreckenraketen auf Kuba. Damit wollte sie zum einen das Castro-Regime vor einem neuerlichen Angriff von außen schützen, zum anderen sah Chruschtschow in der Stationierung von Raketen in unmittelbarer Nähe zu den Vereinigten Staaten eine Chance, der waffentechnischen Überlegenheit der USA zu begegnen; und schließlich suchte sich die Sowjetunion mit der Raketenstationierung einen strategischen Vorteil in der Berlin-Krise zu schaffen: Eine amerikanische Intervention in Kuba hätte einen Einmarsch in Westberlin legitimiert. Im Sommer 1962 begann die Sowjetunion im Geheimen mit der Verschiffung von Raketen nach Kuba, und Mitte Oktober entdeckten US-amerikanische Aufklärungsflugzeuge die ersten Raketen auf der Insel. Am 22. Oktober forderte US-Präsident Kennedy die Sowjetunion ultimativ auf, die Raketenbasen abzubauen und die bereits stationierten Raketen abzuziehen; außerdem verhängte er eine Seeblockade über Kuba und bat die Organisation Amerikanischer Staaten und die UNO um Vermittlung. Er verzichtete auf einen sofortigen Luftschlag, wie ihn einige seiner Berater befürworteten.Der Konflikt zwischen der UdSSR und den USA spitzte sich dennoch zu und drohte zu einem offenen Krieg zu eskalieren. Die Kubakrise gilt heute als heikelster Moment im Kalten Krieg.

Nach intensiven Verhandlungen erklärte sich schließlich Chruschtschow am 28. Oktober zum Abbau der Basen und zum Abzug der Raketen bereit. Als Gegenleistung verzichteten die USA faktisch auf jegliche zukünftige Invasionen in Kuba und zogen ihre Mittelstreckenraketen aus der Türkei ab. Formell wurde der Konflikt im Januar 1963 durch eine gemeinsame Note der USA und der UdSSR an den Generalsekretär der UNO beendet. In Reaktion auf die Kubakrise begannen die beiden Supermächte, Instrumente für ein Krisenmanagement zu entwickeln, u. a. richteten sie den "heißen Draht" zwischen Moskau und Washington ein; außerdem verständigten sie sich auf eine beschränkte Rüstungskontrolle.