Sonderbundskrieg 1847

Ereignisse und Entwicklungen
1847 20. Juli,  Tagsatzungsbeschluss zur Auflösung des Sonderbundes (12 + 2/2 Stimmen)
16. August, Bestellung einer Kommission zur Revision des Bundesvertrages
3. September, Tagsatzungsbeschluss zur Entfernung der Jesuiten aus der Schweiz (12 + 2/2 Stimmen)
September/Oktober, Protestaktionen und Vermittlungsversuche
21. Oktober, Wahl des General Guillaume-Henri Dufour (General des Sonderbundes: Johann Ulrich von Salis-Soglio)
24. Oktober, Mobilmachungsbeschluss
3. November, Eröffnung der Kampfhandlungen durch den Sonderbund gegen das Tessin, Sondierung der Schutzvereinigung betr ausländische Hilfe
4. November, Kriegsbeschluss der Tagsatzung
29.November, Ende der Kampfhandlungen und Auflösung des Sonderbundes

1848 Zurückweisung der Interventionsnote Frankreichs, Österreichs, Preussens und Russlands durch die Tagsatzung
Februar / März, Revolutionen in Paris, Wien, Berlin u a
März, Republikanischer Aufstand in Neuenburg (de facto Loslösung von Preussen)
Februar/April, Ausarbeitung einer Bundesverfassung durch eine Revisionskommission der Tagsatzung
August/September, kantonale Abstimmung uber die Bundesverfassung (151/2  Zustimmung, 61/2 Ablehnung: Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug Wallis, Appenzell-lnnerrhoden, Tessin)

1848 12. September, Selbstauflösung der Tagsatzung auf den Amtsbeginn der neuen Bundesstaatsbehörden
6. November, Eröffnung der Bundesversammlung

1848/54 Einführung der neuen Bundesordnung



Quelle:  Akte der Schutzvereinigung ("Sonderbund")
  Luzern, im September 1845
 1. Die Kantone Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden ob und nid dem Wald, Zug, Freiburg und Wallis verpflichten sich, sowie einer oder mehrere aus ihnen angegriffen würden, zur Wahrung ihrer Souveränitäts- oder Territorialrechte den Angriff gemäss dem Bundesvertrag vom 7. Augustmonat 1815, sowie gemäss den alten Bünden, gemeinschaftlich mit allen zu Gebote stehenden Mitteln abzuwehren.
2. Die Kantone werden sich über die zweckmässigste Weise, sich gegenseitig in Kenntnis von allen Vorfällen zu erhalten, verständigen. Sowie ein Kanton von einem bevorstehenden oder erfolgten Angriffe sichere Kenntnis erhält, ist er bereits als bundesgemäss aufgemahnt anzusehen und verpflichtet, die nach Umständen erforderliche waffenfähige Mannschaft aufzubieten, ohne geradezu die offizielle Mahnung des betreffenden Kantons abzuwarten.
3. Ein Kriegsrat, bestehend aus einem Abgeordneten aus jedem der oben genannten Stände, mit allgemeinen und so viel möglich ausgedehnten Vollmachten von den Regierungen versehen, hat die oberste Leitung des Krieges zu besorgen. Er wird bei einem bevorstehenden oder erfolgten Angriffe zusammentreten.
4. Der Kriegsrat mit den ihm erteilten Vollmachten hat im Falle der Not alle zur Verteidigung der betreffenden Kantone erforderlichen Massregeln zu treffen. Wo die Gefahr nicht so dringender Natur ist, wird er sich mit den Regierungen dieser Kantone in Rücksprache setzen. [Bonjour 1210]


Quelle:  Metternichs Beurteilung der Jesuitenfrage
Die Jesuiten waren der Vorwand und nicht der Zweck der Erhebung der Radikalen; sie waren ebensowenig der wahre Zweck der Freischarenzüge gegen Luzern, als die Momiers der Zweck des Umsturzes der Regierung des Kantons Waadt gewesen sind. Der Kampf besteht heute in der Schweiz zwischen der für die Erhaltung des Bestehenden und der für die krassesten Produkte einer in fauler Gärung begriffenen Gesellschaft sich gegenüberstehenden Parteien. Jesuiten, Pietisten, alle Verteidiger irgendeiner Orthodoxie sind Vorwände und nicht die Sache, insofern man die letztere nicht mit den ersteren zu verwechseln geneigt sein will...  In der Schweiz befinden sich seit Jahrzehnten Kollegien dieses Ordens, und sie haben keine Aufregung erzeugt.
Der Stand Luzern wollte selbst nicht ein Kollegium, nicht durch Jesuiten geleitete Volksschulen errichten, sondern lediglich einige Professoren aus der Gesellschaft Jesu in sein Seminar berufen. Nun erhob sich das Geschrei. War es gegen die Professoren oder nicht vielmehr gegen die konservative Regierung, die infolge des letzten Sieges der konservativen Partei über die Radikalen ans Ruder gelangte, gerichtet? Die Entscheidung der Frage liegt auf der Hand.       [Bonjour 1208]