Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Nabil Chbib, Bonn, Germany Mail: chbib@gmx.net

Mission und Heiliger Krieg - Kampf im Namen Gottes
Vorgetragen in Bielefeld am 31.01.2001 / vor einem islamisch-katholischen Dialogkreis

Meine Damen und Herren,

In der Annahme und in der Hoffnung, dass wir während der anschließenden Diskussion das Thema miteinander behandeln werden, werde ich keinen längeren Vortrag halten, sondern vielmehr eine Einleitung zum Thema abhalten.

In dieser Einleitung geht es um die Aspekte:
- Umgang mit den Begriffen
- Der Krieg im Islam
- Umgang mit der Geschichte
- Aktuelle Fragen


I. Umgang mit den Begriffen


„Kampf im Namen Gottes“, „Heiliger Krieg“, „Das Schwert Allahs“ ..
Wenn ich diese Titel in die Arabische Sprache übersetzen und in einem Vortrag, einem Seminar oder einem Dialog unter Muslimen gebrauchen würde, werde ich schlicht ausgelacht. Ich spreche nicht von eventueller Reaktion von den islamischen Gelehrten und Intellektuellen, sondern ebenso von der erwarteten Reaktion der einfachen Muslime, unabhängig vom Alter und Bildungsstand.

Hier spricht man einfach vom „Heiligen Krieg“ und meint das arabische Wort „Gihad“. Aber wenn ich das Wort „heiliger Krieg“ umgekehrt übersetze, würde das arabische Wort „Al-Harbu-l-Muqadassa“ herauskommen.
Dieses Wort ist weder im Quran, noch in den Aussagen des Propheten, noch in den alten oder den islamischen Literatur oder Nachschlagwerken zu finden. Es taucht nicht mal in der Umgangssprache der Muslime auf.

Dieses Wort kann in keiner arabischen Quelle gefunden werden. Es ist schlicht und einfach ein frei erfundener Begriff hier im Westen.
Es tauchte zuerst in den alten Büchern der Kirche und der Orientalisten und mit der Zeit in den heutigen Büchern und der aktuellen Berichterstattung der Massenmedien auf und damit wurde es zu einem Teil des Sprachgebrauchs, wenn über den Islam und die Muslime gesprochen wird.

Es wurde zu einem Teil des westlichen Selbstverständnisses in bezug auf den Islam.
Mit diesem und mit anderen ähnlichen Begriffen und Schlagwörtern wurde das Denken über den Islam und die Muslime, sowie der Umgang mit islamischen Fragen mitgeprägt und in schiefe Bahnen gelenkt.

Meine Damen und Herren, der Krieg kann niemals heilig sein.
Der Krieg wurde vom Islam nie als heilig dargestellt, und wurde von den Muslimen nie als eine heilige Sache empfunden.
Wenn das Wort trotzdem im Zusammenhang mit dem Islam und den Muslimen gebracht wird, dann kann damit kein vernünftiger Dialog geführt oder eine harmonische Beziehung aufgebaut werden.
Es ist bekannt, dass missverstandene Begriffe die Betroffenen dazu führen, aneinander vorbei zu reden. Oder sie führen eine Art Frontaldiskussion mit Angriffen und Gegenangriffen. Solche Diskussionen dienen Niemandem.

Schwierigkeiten habe ich seit längerer Zeit mit Begriffen wie „Gihad“, „Krieg“, „Heiliger Krieg“, „Kampf“ usw.
Ich hatte mich oft gefragt, woher sie kommen, wie haben sie sich verbreitet und wie wurden sie trotz offensichtlich falschen, mit Vorurteilen belasteten Inhalten und trotz deren absurden Auswirkungen zu einem Teil des Selbstverständnisses im Westen.
Es gibt viele Gründe, ein Beispiel sollte an dieser Stelle erwähnt werden.
Im Seminar für Politologie in Bonn sollte ich in den 70er Jahren ein Thema im Zusammenhang mit dem Kommunismus behandeln.
Als Student fragte ich den Tutor nach Literatur. Er nannte mir eine Liste, die vorwiegend Bücher von Kommunisten enthielt, z.B. die Werke von Marx und Engels, die sowjetische Enzyklopädie usw.
Nach einiger Zeit im Seminar für orientalische Sprachen, wo ich Islamkunde bzw. Orientalistik als Nebenfach belegte, fragte ich ebenfalls nach Literatur für ein Thema, das mit „Gihad“ zu tun hatte und bekam daraufhin eine Liste von Büchern, die allesamt von Nicht-Muslimen verfasst waren.

Meine Damen und Herren, ich bin überzeugt, dass hier in Deutschland bzw. allgemein im Westen der tägliche Mischmasch im Zusammenhang mit den Begriffen, die mit dem Islam zu tun haben, wie „Gihad“, „Schleier“, „Strafen“, „politischer Islam“ usw. nicht zufällig entstanden sind.

Er ist das Produkt des unfairen Umgangs mit dem Thema Islam seit längerer Zeit. U.a. ist es dadurch entstanden , weil man die islamischen Quellen nicht heranzieht, sondern solche, die über den Islam sprechen und von Nichtmuslimen verfasst wurden.
Wenn einige Erstquellen herangezogen werden, dann werden oft bestimmte, den im Westen bereits entstandenen Vorurteilen nahliegenden Verfasser bevorzugt und hervorgehoben, als wären sie für den Islam und dem Islamischen Denken repräsentativ, obwohl sie unter den Muslimen und den überwiegenden Teil der muslimischen Gelehrten, Intellektuellen begründete Ablehnung finden

Hiermit und durch andere Praktiken wird der Islam bewusst oder unbewusst interpretiert, dargestellt und verbreitet, und dass seit der Zeit der Kreuzzüge, als Muslime und Christen im Krieg standen.

Viele Begriffe wurden erfunden, das gilt für das Wort “heiliger Krieg“ und andere haben sich von ihrer ursprünglichen Bedeutung weit entfernt.

Andererseits können wir einander verstehen, miteinander Dialog führen und uns gegenseitig fair behandeln, erst wenn wir unter ein- und demselben Wort die gleiche Bedeutung oder mindestens keine widersprüchlichen Inhalte verstehen.



II. Der Krieg im Islam

Im Islam ist der Krieg nie und kann niemals heilig sein.
Vielmehr gibt es so viele Zitate, die ich erwähnen könnte (vielleicht in der Diskussion), dass der Krieg (Al-Qital) ein übles, unbeliebtes Instrument ist. Der Muslim gebraucht es, wenn er dazu gezwungen ist.

Man kann inzwischen gewisse Unterscheidung zwischen den islamischen arabischen Begriffen, Qital und Gihad registrieren. In den Massenmedien und in manchen deutschen Büchern tauchen manchmal Hinweise auf, die die ursprüngliche Bedeutung bzw. Definition von diesen Begriffen wiedergaben.

Die Bedeutung des Wortes „Gihad“ in der arabischen Sprache und im islamisch geprägten Gebrauch ist:
( Sich bemühen, im Sinne Gottes, die göttlich vorgeschriebenen Ziele zu erreichen.)

Hinter diesem Satz verbirgt sich folgendes:
1) Bemühen heißt, verschiedene Wege zu gehen und dabei unterschiedliche Instrumente zu benutzen. Es fängt mit dem gesprochenen Wort an und kann in Form von „Qital“, also dem Krieg, enden.

2) Im Sinne Gottes und die vorgeschriebenen Ziele bedeutet für den Muslim:
Gott hat niemals eine Aggression vorgeschrieben, weder im Islam noch in irgendeiner anderen Religion, Das würde im Bewusstsein des Muslim die göttlichen Eigenschaften, die ein Teil des Bekenntnisses sind, widersprechen.
Ebenso hat Gott auch niemals die Gewaltanwendung vorgeschrieben, um Besitz über das Eigentum Anderer zu ergreifen. Ebenso ist niemals vorgeschrieben, dass ein Mensch Krieg gegen andere Menschen führt, nur weil sie z.B. einer anderen Religion angehören.

Ich spreche nicht von dem umfassenden Wort „Gihad“, selbstverständlich auch nicht von dem mit Vorurteilen behafteten Wort „heiliger Krieg“, sondern von dem in dem Völkerrecht, in der Geschichte der Menschheit sowie im täglichen Gebrauch bekannten Wort „Krieg“. Also Gewaltanwendung zwischen Staaten oder Staaten ähnlichen Gebilden.
Der Krieg ist in diesem Sinne ein Instrument, eine bestimmte Handlungsart im Rahmen der internationalen Beziehungen.

Was sagt der Islam zu diesem Instrument?..
Wann ist „Gihad“ in Form von Krieg vorgeschrieben?

Zuerst möchte ich auf etwas hinweisen, was von manchen Muslimen hier im Westen oft vernachlässigt wird.
Der „Gihad“ im Sinne des Krieges ist im Islam nicht vorgeschrieben.
Das Instrument „Krieg“ ist lediglich erlaubt nicht vorgeschrieben, erlaubt mit Auflagen, mit Voraussetzungen und Bedingungen.
Schon die erste Offenbarung die vom Kampf sprach, sagte den Muslimen nicht etwa: Euch ist nun der Krieg vorgeschrieben um das Wort Gottes zu verbreiten. Der betr. Erste Vers sagt vielmehr (Sure 22, Vers 39-41):
„Denjenigen, die bekämpft wurden und denen damit Unrecht angetan wurde, ist es erlaubt, [zu kämpfen], wahrlich Allah kann ihnen zum Sieg verhelfen.“

Weitere Verse im Quran vertiefen und betonen diesen Ausgangspunkt.

Von Anfang an war es den Muslimen klar:
Wenn sie Krieg führen, dann weil sie müssen, weil sie durch andere dazu gezwungen werden, nicht weil sie etwa den Krieg wollen.
Die Muslime können die Kriege nicht einseitig abschaffen und nur daher ist es ihnen erlaubt sich auf den gegebenen Fall eines Krieges vorzubereiten.
Aber mit diesem Erlaubnis hat Gott den Krieg nicht zu einem religiösen Gebot gemacht und selbstverständlich in keiner Weise heilig gesprochen.
Das gilt bis heute, bis zum jüngsten Tag und kann von keinem Gelehrten, Führer oder einer Institution durch etwa „Neudeutungen“ oder ähnliches geändert werden.

Es ist vor allem der Fall der Selbstverteidigung, von dem bisher die Rede war.
Der Islam geht mit dem Wort „Selbstverteidigung“ einen weiteren Schritt, der nur als ein Schritt im Dienst des Menschen, seiner Freiheiten, insbesondere die Religionsfreiheit zu verstehen ist.
Die Muslime sind ein Teil der Menschheit.
Die Religionsfreiheit gilt für alle, Muslime und Nicht-Muslime.
Wenn Menschen dieses Grundrecht mit Gewalt und Unterdrückung beraubt wird, dann verpflichtet der Islam die Muslime dazu, sich für die Wiederherstellung des Zustandes der Ausübung der Grundrechte und Freiheiten ohne Zwänge.
Mit anderen Worten ist der Muslim dazu verpflichtet, sein Leben im Notfall für die Religionsfreiheit eines Christen, eines Juden, usw. einzusetzen.
Sobald keine Unterdrückung mehr vorherrscht, darf ein Muslim mit keinem Mittel, selbstverständlich auch nicht mit kriegerischen Mitteln, Andersgläubige zum Islam zwingen. Das ist im Quran u.a. (Sure 2, ab Vers 256) so ausgedrückt:
„Es gibt keinen Zwang zur Religion. Der rechte Weg ist von den Irrwegen klar unterschieden worden“.

Meine Damen und Herren darf ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass erst jetzt, um die Jahrtausendwende in der UNO diskutiert wird, wie man es richtig regulieren kann, dass sich die UNO im Notfall durch Krieg für die Menschenrechte und Minderheitenrechte einsetzt.

Manche reden von Verherrlichung des Krieges im Islam, weil sie meines Erachtens nicht unterscheiden, zwischen den Aussagen des Islam im juristischen Sinne, wann ein Krieg erlaubt oder nicht erlaubt ist, und anderen Aussagen, die den einzelnen Muslim für den Kriegsfall vorbereiten, also wenn Krieg ausbricht, wenn er in Krieg ziehen muss, dann darf er keine Schwächen zeigen.. er sollte sich z.B. nicht scheuen, tapfer zu kämpfen, bereit für den evtl. Tod zu sein.. usw.

Solche seelische Art der Ausbildung von Soldaten für den Kriegsfall ist allen Armeen der Welt heute und in der Vergangenheit bekannt.
Wichtiger scheint mir die Frage zu sein, was darf ein Muslim im Falle des Krieges und was darf er nicht?

Ich will die Überschriften von einigen Vorschriften ohne Erläuterung aufzählen:
- Eine Angriffserwiderung darf nicht über das Maß hinausgehen, also der Gegenseite nicht mehr Schäden hinzuzufügen, als sie den Muslimen beim vorausgegangenen Angriffen zugefügt hat.
- Zivilisten dürfen nicht getötet werden
- Bäume, Tiere usw. dürfen nicht zu Schaden kommen
- Religiöse Stätten Anderer dürfen nicht angegriffen werden
- Angriffe ohne Vorwarnung sind verboten
- Verwundeten, Kranken, Schwachen etc. muss geholfen werden

Ich könnte die Liste noch fortführen und damit vorzeigen, dass die Auflagen, die der Islam im Falle eines Krieges vorschreibt, wesentlich umfangreicher sind als das, was zur Zeit in den internationalen Abkommen aufgezählt wird.



III- Umgang mit der Geschichte

Meine Damen und Herren
Ich muss sagen, die Muslime, die ihren Islam einigermaßen kennen, wissen was ihnen in bezug auf „Gihad“, Krieg und Umgang mit Andersgläubigen erlaubt und nicht erlaubt ist, und welche Verpflichtungen ihnen für die Menscheit auferlegt werden. Diese Muslime werden verständlicher Weise mit Verbitterung erfüllt sein gegenüber dem, was man über sie und ihre Religion schreibt und redet.
Die Atmosphäre eines Dialogs wird dadurch so sehr vergiftet, dass Muslime, die sich für den Dialog einsetzen, manchmal Schwierigkeiten haben, andere Muslime dazu zu bewegen.
Diese Verbitterung kann überwunden werden, nur wenn in dieser Gesellschaft maßgebliche Stimmen in ausreichender Menge und angemessener Verbreitung laut werden und das Schiefe unrichtige Bild über den Islam zu korrigieren.

Ich weiß aber, dass ein Teil der Probleme in der Geschichte und nicht nur in den Nichtwahrnehmung der maßgeblichen Textquellen des Islams liegt.
Wenn ich mich genauer Ausdrücke, dann muss ich sagen. Es geht hier um die Geschichte der Islams und der Muslime, wie sie in den Schulbüchern und sonstigen Lektüren, einschließlich Filme, Radiosendungen usw. dargestellt wird
Das Wort „heiliger Krieg“ als Umschreibung des Wortes „Gihad“ ist ein Beispiel dafür, wie unsere Geschichte in das Bewusstsein der heutigen Generation im Westen eingeprägt wurde.
Wer andere Belegte Beispiele haben will, kann sie in dem fünfbändigen Werk „Der Islam in den Schulbüchern der BRD“ finden. Es wurde im Rahmen einer Studienreihe des Georg-Eckert-Instituts in Braunschweig herausgegeben.

Oft sprechen wir davon, dass die Massenmedien Schuld daran sind, dass der Islam und islamische Themen falsch behandelt werden. Die Leute, die in den Massenmedien arbeiten, haben es nicht anders in den Schulen gelernt. Mit anderen Worten, man müsste das Problem vom Ursprung, von den Wurzeln her lösen.

Im Bezug auf „Krieg in der islamischen Geschichte“ will ich nicht auf Kriege der Andersgläubigen hinweisen, wie der hundertjährige und der dreißigjährige oder die Kreuzzüge, der Kolonialismuskriege, Bürgerkriege usw. und sofort bis hin zu den zwei Weltkriegen und die Kriege danach.

Ich möchte die Frage anders stellen:
Selbst wenn Kriege, die ungerecht waren, von Muslimen im Laufe der islamischen Geschichte durchgeführt wurden,
sollte man nicht differenzieren zwischen:
a) dem, was der Islam vorschreibt, und
b) und dem was im Widerspruch des Islam in seinem Namen manchmal getan wurde.
sollte man nicht differenzieren zwischen:
a) wie die überwiegende Mehrheit der Muslime in den letzten 1400 Jahren mit dem Krieg umging, und
b) einigen Fällen, bei denen Ungerechtigkeit vorkam?

Warum wirft man etwa der Demokratie nicht vor, ein Unterdrückungssystem zu beinhalten, wenn man in der Geschichte solche Staaten erwähnt, die sich die Bezeichnung demokratisch aneigneten, wie DDR, Bulgarien usw.

Ist es nicht so, dass wir wohl differenzieren, zwischen Christentum als Religion und dem, was im Namen des Christentums getan wird und wurde?
Ist Christentum die Religion des Schwertes, der Gewalt, des sog. heiligen Krieges, weil im Namen der Religion die europäische Kriege seit zwei Jahrtausenden geführt wurden?
Wir wissen, welchen geschichtliche Aussage darin zu lesen ist, dass der Papst der katholischen in Rom sich letztes Jahr von vielen Untaten der Kirche bzw. der Leute, die zur Kirche gehörten in den vergangenen Jahrhunderten distanziert und dafür die Entschuldigung der Kirche ausgesprochen hat.
In der Geschichte -meine Damen und Herren- kommen selbstverständlich Ungerechtigkeiten vor, die Aufgabe des gesunden Menschenverstandes ist es jedoch, dass man keine falschen Schlüsse daraus zieht, und die Religionen selbst diffamiert.


IV- Aktuelle Fragen


Hiermit komme ich zum letzten Gedanken dieser Einleitung, nämlich den aktuellen Fragestellungen bezogen auf dieses Thema.
Ich kann hier eine Ausführung vermeiden, denn die Gegenwart ist uns allen bekannt.
Aus der Vielfältigkeit der betreffenden Probleme wähle ich zwei Aspekte, auf die ich mich konzentriere.
Zuerst ein theoretischer Aspekt.

Wie stellt sich der Islam zu der Frage des „Krieg und Frieden“ im Rahmen der heutigen Lage der Menschheit??

Sollen die Muslime im Namen des Islam dazu ermutigt werden, sich zu bewaffnen, für Kriege bereit zu sein oder sollten sie auf die Karte des Friedens setzen und sich darauf verlassen?

Vorerst sollte es klar und deutlich sein, der Islam ist eine realistische Religion.
Die islamischen Gebote und Verbote, Vorschriften und Wertvorstellungen sind nicht auf Illusionen gegründet.

Selbstverständlich ist der Idealfall im Sinne des Islam für die Menschheit,
-dass keine Kriege geführt werden,
-dass die Ungerechtigkeiten in dieser Welt verschwinden
-dass die Menschenrechte und Freiheiten einschließlich die der Minderheiten Geltung und Respekt finden
-dass keiner mit Gewalt das Kande des anderen nimmt, ihn vertreibt, seine Reichtümer beraubt, ihn ausnutzt. usw. ... usf...
Das ist ein Idealfall.
Wenn er realistisch wäre und garantiert werden könnte, dann wird Krieg kein Thema aus dem Gesichtwinkel des Islam sein.

Die Geschichte der Menschheit und die Gegenwart belehren uns leider, dass der beschriebene Idealfall, bis zum heutigen Tag ein echtes Ziel aller Menschen ist, Wann es zu einem gemeinsamen Ziel und noch dazu ein erreichbares Ziel wird, ist ungewiss und vorerst wird es für unbestimmte oder unvorhergesehne Zeit ungewiss bleiben.

Wenn es so ist, dann sollte man an die Fragen und Probleme des Kriegs und Friedens, der Ausrüstung, der Art der Ausrüstung usw. nicht mit zweierlei Maß herangehen.
Was die Amerikaner in bezug auf Entwicklung, Produzierung und Anwendung von Massenvernichtungswaffen wie Atomwaffen, Chemische und biologische oder sonstige Angriffswaffen, ist nicht zu bewerten als gut oder schlecht, als Akzeptabel oder nicht akzeptabel, weil sie Amerikaner oder nicht sind, weil sie den Islam an- oder nicht angehören..
Das gilt ebenso für die Russen, die Europäer, die Araber, die Pakistani usw.

Die Bewertung aller Aspekte des Krieges und der kriegerischen Ausrüstung kann nur fair, wirkungsvoll und akzeptabel sein, wenn sie für ALLE gleicher Maßen gilt.
Gleiches kann man sagen in bezug auf Auswertung von Auseinandersetzungen, Resolutionen internationaler Organisationen, Inhalten von Abkommen, Entwicklung der internationalen Beziehungen Erneuerung der Weltorganisationen usw.

Bei der Frage der Einstellung des Islam zu dem heutigen Problematik des Kriegs und Friedens, geht es nicht darum, was der Islam sagt oder nicht, der bereits erwähnte Idealfall ist im Sinne des Islam, aber es geht vielmehr darum ob es für alle gleichwertige und für alle überprüfbar bindende Aussagen gibt oder geben kann

Meine Damen und Herren
In der Praxis geht es nicht um diese theoretische Einstellung, vielmehr ist es so, dass gleichgültig was der Islam selbst sagt, haben Politiker und Massenmedien in der westlichen Welt den Islam in Zusammenhang mit Gewalttaten gebracht, die dem Islam und seinen Vorschriften hundertprozentig widersprechen.

Wenn ein Saddam Hussein Kuwait angreift und islamische Parolen anwendet,
wenn irgendeiner bewaffneten Gruppe in Algerien, die sich irgendeinen islamischen Namen aneigneten, zu Last gelegt hat, dass sie Menschen abschlachtet, wenn eine muslimische Gruppe in Philippinen Touristen entführt,
dann muss klar und eindeutig den Verbrauchern der politischen Aussagen und der Berichterstattung der Massenmedien, als der Öffentlichkeit, den Menschen im Westen.. Es muss eindeutig und überzeugend gesagt werden, dass all diese erwähnte und alle ähnlichen Fälle mit dem Islam, mit dem „Gihad“ im Islam nicht mehr zu tun haben als der Terror der ETA oder IRA oder sogar der RAF mit dem Christentum in Europa.
Die Muslime im Westen haben dazu noch zu wenig beigetragen, aber die Wahrheit zu sagen ist die Pflicht aller Menschen, und gerade diejenigen, denen das friedliche Leben in den multireligiösen und multikulturellen Gesellschaften dieser Erde ernsthaft am Herzen liegt, haben die Pflicht, falsche Feindbilder aus dieser Welt zu schaffen.
Ich glaube das ist eine Pflicht, die wir ALLE und gemeinsam zu erfüllen haben.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.